Sanierung der Dachkonstruktion steht vor dem Abschluss
Gottesdienste inmitten der Großbaustelle
Seit Mitte September werden in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg wieder Gottesdienste gefeiert. Zuvor war der Kirchenraum für die Gemeinde und Besucher zwei Monate lang geschlossen, da Gerüste im Hochchor abgebaut und im Langschiff der Basilika wieder errichtet wurden. Nach dem Chorraum steht jetzt die Innensanierung im Langschiff an. Die Baustelle in der Dachkonstruktion wanderte in den vergangenen Wochen kontinuierlich vom Ostchor über das Langschiff nach Westen. Alle neuen Holzteile sind im Gebälk inzwischen eingebracht. Der Abschluss der Sicherung der Dachkonstruktion steht unmittelbar bevor.
Einige, teils erhebliche Störfaktoren musste Architekt Anton Kriesch, der die Projektleitung der Sanierung inne hat, inzwischen in den Verlauf der Bauarbeiten einberechnen. So wurden erst im Zuge der Dachsanierung erhebliche Schäden an den Traufgesimsen sichtbar. Ohne die Abdeckung des Daches, ohne Gerüste rund um die Basilika wären sie unentdeckt geblieben. "Diese Schäden hätten in einigen Jahren durchaus zu einer Gefährdung durch herabfallende Terracotta-Stücke für die Kirchenbesucher führen können", so Anton Kriesch. Zahlreiche Terracottateile wiesen Brüche und Risse auf, deren Sicherung unbedingt notwendig war. Parallel zu den Arbeiten in der Dachkonstruktion wurden nun die beschädigten Traufgesimse ersetzt und angebrochene Terracottateile mit Kunstharz verpresst.
Auch bei der Sanierung des Innenraums kam es zu einer Verzögerung. Über der Schneckenkapelle führte ein Wassereintritt zu längeren Trocknungszeiten der frisch sanierten Raumschale. In der Folge mussten hier die Gerüste länger als geplant stehen bleiben, und die schützende Holzverkleidung um die Hindelangorgel in der Schneckenkapelle konnte nicht zum geplanten Zeitpunkt entfernt werden. Damit verschiebt sich der Beginn der Orgel-Sanierung durch die Augsburger Orgelbaufirma Kubak auf Ende Oktober. Kirchenmusiker Peter Bader steht damit in der Basilika zur Zeit nur die kleinste der drei Orgeln für die musikalische Begleitung der Gottesdienste zur Verfügung. Zum Üben begibt er sich deshalb in die evangelische Ulrichskirche und genießt – wie in den vergangenen Wochen die ganze katholische Gemeinde – hier die nachbarschaftliche Unterstützung und Gastfreundschaft.
Zwei Monate, von Mitte Juli bis Mitte September, war die katholische Gemeinde mit fast allen Gottesdiensten, mit Hochzeiten und Taufen in der evangelischen Ulrichskirche zu Gast. "Wir danken Pfarrer Frank Kreiselmeier stellvertretend für seine Gemeinde für diese große Unterstützung und freuen uns, dass das Angebot von der katholischen Gemeinde sehr positiv angenommen wurde", betont Stadtpfarrer Monsignore Franz Wolf. "Dieses Miteinander führt zu immer besserem Kennenlernen und einem wachsenden Gefühl der Gemeinschaft beider Gemeinden, das wir nur begrüßen können!"
Wer nun den Gottesdienst im Hochchor der katholischen Basilika besucht, erlebt die Kirche mehr denn je als Großbaustelle. Im Zuge der Bauarbeiten wurde der historisch älteste Zugang zu St. Ulrich und Afra, das seitlich gelegene Antoniusportal, wieder zum Haupteingang. Von hier führt der Weg in den Chorraum durch einen rundum geschützten "Tunnel" durch die Baustelle im Inneren der Kirche. Ein großes Plexiglasfenster erlaubt einen Einblick in die Arbeiten, die dort durchgeführt werden. Derzeit wird der Maßnahmenkatalog für die Sanierung der großen Altäre erstellt, die momentan unverhüllt betrachtet werden können. Die Ausschreibung wird im Spätherbst durchgeführt. Schon nach dem Dreikönigsfest, am 6. Januar 2010, soll mit den Konservierungsarbeiten am Hochaltar begonnen werden.
Die Sanierung im Langschiff der Basilika findet weitgehend verborgen hinter der Trennwand im Altarraum statt. Nach Analyse und Reinigung des Putzgrundes wird an allen Wänden im Langschiff bis in die Kapellen ein neuer Anstrich aufgebracht. Zuvor werden alle Leitungen und Einbauten für das neue Lichtsystem installiert, das vom Ingenieurbüro Walter Bamberger konzipiert wurde. Parallel zu den Malerarbeiten findet die Projektierung eines neuen Heizungssystems im Langschiff statt. Auf der Basis einer Klimasimulation, die das Steinbeis-Transferzentrum Energie, Gebäude, Solartechnik, EGS, (Stuttgart/Braunschweig) in Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg erstellt hat, wurde eine zukunftsweisende Lösung für die Temperierung der Basilika entwickelt. Eine gezielt eingesetzte Luftheizung wird künftig unnötig starken Luftbewegungen in dem voluminösen Kirchenraum entgegenwirken. In Kombination mit einer Bankheizung soll auf diese Weise insgesamt weniger Energie verbraucht und zugleich der Komfort für die Kirchenbesucher erhöht werden. "Den Kunstschätzen in der Ulrichsbasilika kommt zugute, dass das neue Heizsystem weit bessere konservatorische Bedingungen und langfristig weniger Staubablagerungen mit sich bringt", freut sich Architekt Kriesch. Der Einbau des neuen Heizsystems erfolgt zudem ohne weitere "Bodenbewegungen" in den vorhandenen Schächten.
Neben den Sanierungsarbeiten, bemüht man sich weiter intensiv um Spenden und Sponsoren für die Sanierung, die von Diözese und Gemeinde nicht allein finanziert werden kann. Durch die unvorhersehbaren doch unbedingt notwendigen Reparaturen an den Traufgesimsen rechnet man bereits mit einer Erhöhung des kalkulierten Gesamtetats von 6,7 Mio Euro. Mehr zu Spenden und Sanierung erfahren Sie auf diesen Seiten.





